Hackday-Thema · Yayoi Kusama

Every Day I Accumulate Corpses

Ein mehrstufiger Sketch: Bebende Punkte gehen in einen Strudel über, der Linien hinter sich herzieht. Auf Knopfdruck ändert sich der Sketch gänzlich und die Punkte werden von den eigenen Augen geweint.

Von Tim Fischer

Das Artefakt

Das Artefakt eignet sich mehrer Werke, Prinzipien & Ästhetiken Kusamas an und spielt mit diesen. Der Sketch startet mit zufällig über die Leinwand gespränkelten und bebenden Punkten. Nähert sich die Maus den Punkten, werden sie ruhiger. Entfernt sie sich, intensiviert sich das beben. Durch das Drücken des Buchstabens [w], setzt eine Strudelbewegung ein. Die Punkte kommen in zunehmender Zirkelbewegung auf den Betrachter zu und ziehen zum Teil eine Linie hinter sich her, die den Strudel visuel hervorheben. Durch erneutes drücken des Buchstabends [w] bleiben die Punkte stehen. Druch das Druck des Buchstabens [q] verändert sich der Sketch gänzlich. Über die Kamera des Laptops werden die Augen des Betrachters getrackt und auf der Leinwand durch entsprechend angeordnete Punkte gespiegelt. Rägelmäßig fließen nun die Punkte als Tränen aus den Augen und gleiten zu nächst auf den Boden der Leinwand, dann zu der Seite der Leinwand heraus.

Neben der Tastatureingaben reagiert der Sketch auf eine Reihe von Eingaben über die GUI Elemente der Dev-Umgebung. Über diese kann man folgende Parameter manipulieren: Die Dicke des Linienstriches, die Anzahl der Punkte, einem größen Faktor, der die Größe der Punkte bestimmt und die Transparenz des Hintergrundes sowie auch die der Punkte. Weiterhin reagiert der Farbraum des Sketeches, also Vordergrund- und Hintergrundfarbe, auf das gedrückhalten und ziehen der Maus. Durch das Variieren der Parameter und der verschiedenen visuellen Stufen des Sketches, verwandelt sich die Leinwand in ein Interaktives und Hypnotisches Gemälde, das sich konstant ändert und nie zu einem Ergebnis ein zweites Mal führt.

Sketch ausprobieren

Bezug zu Kusama

Ausgangspunkt meines Sketches ist die Kombination von Kusamas Prinzip der Überwucherung von Punkten und ihres Werkes Accumulation of Corpses, bei dem ein Strudelförmiges Gebilde um den Mittelpunkt des Gemäldes entsteht. Den sich durch Mouse Drag ändernden Farbraum und die Weinenden Augen der dritten Stufe des Sketches sind ihrer Serie Every Day I Pray for Love entlehnt, in der es ebenfalls strudelanmutende Figuren gibt. Der sich ständig selbsterneuernde Strudel, wie der wiederkehrende Fluss der Tränen referenzieren Kusamas Themata der Wiederholung und Unendlichkeit. Die bebenden Punkte und die sich fast wilkürlich ändernden Farben (deren Änderung nicht selten unabsichtlich durch die Manipulation der Regler geschieht), spiegelt Kusamas halluzinatorischen Erfahrungen wider: Einen Fokus zu setzen fällt schwer, durch die sich ständig ändernde Umgebung / Ruht der eine Punkt unter dem Mauszeiger, eskaliert die Bewegung der anderen / Versucht man eine gezielte Manipulation mit den Reglern, blitzen die Farben auf und man findet sich in einem vollständig neuen Bild wieder. Zwischen den drei Stufen des Sketches kann man dabei wie in einem Traum gesprungen werden. Verstärkt werden diese Effekte durch erhöhung der Hintergrundtransparenz: Die verschiedenen Farben, Strudel in verschiedenen intensitäten, Kreise in verschiedenen größen sowie Tränen und Augen können so zu einem einmaligen Gemälde verschmelzen. Die einzelnen Bestandteile werden so wie in Kusamas Werken aufgelöst zugunsten des Gesamtmusters. Durch das Eye-Tracking über die Kamera, wird der Betrachter Teil des Artefaktes und kann seinen eigenen Körper und seine eigenen Bewegungen Einfließen lassen, nicht nur Inputs über Maus und Tastatur.

  1. Accumulation of Corpses

    Yayoi Kusama: Accumulation of Corpses

  2. Every Day I Pray for Love

    Yayoi Kusama: Aus der Serie Every Day I Pray for Love

  3. Every Day I Pray for Love

    Yayoi Kusama: Aus der Serie Every Day I Pray for Love

  4. Beginning of Summer

    Yayoi Kusama: Beginning of Summer

  5. River at Sunrise

    Yayoi Kusama: River at Sunrise

  6. Sunset

    Yayoi Kusama: Sunset

Drei Stationen einer Genese

  1. 01

    Trial & Error

    Sketch in der ersten Version

    Absicht:Rekursive, wachsende Punkte, die in sich selbst entsprechend ihrer Größe eine Anzahl Punkte erzeugen, usw.

    Geschehen:Rekursion funktionierte nicht. Punkte wurden extrem chaotisch erzeugt. Ich war ratlos, wie ich damit weiter arbeiten sollte, um einen interessanten aber auch ästhetischen Sketch zu entwerfen. Ebenso ratlos, wie ich eine interessante Interaktion mit diesem Sketch gestalten könnte.

    Mitnahme:Manchmal lohnt es sich alles über den Haufen zu werfen und nochmal ganz von vorne anzufangen.

  2. 02

    Back to the Roots

    Sketch in der zweiten Version
    Sketch in der zweiten Version
    Sketch in der zweiten Version

    Absicht:Nochmal ganz neu und ganz einfach Anfangen.

    Geschehen:Ich fing nochmal ganz einfach mit einer zufällig Bepunkteten Fläche an, die auf den Mauszeiger reagierten an. Anschließend sollten sich die Punkte in einer Strudelbewegung bewegen können, und auf den Betrachter zukommen. Also baute ich eine z-Achse ein. Um den Räumlichen Effekt zuverstärken koppelte ich die Helligkeit der Kreise an die z-Achse und verwarf dies wieder, da es die Räumlichkeit nicht spürbar veränderte und eher die Farben verwässerten. Strudel und Farbraum waren an Accumulation of Corpses angelehnt. In einer wiederum nächsten Version fügte ich nochmehr Farbräume (inspiriert eines der Gemälde aus Kusamas Serie Every Day I Pray for Love) hinzu und erstellte eine Klasse für diese um einfacher durch die Farben iterieren zu können. Farbänderungen waren auf dem Mouse Drag gelegt, Start und Stop der Strudelbewegung auf den Mouse Click. Dadurch Gab es noch weniger Kontrolle über das Aussehen des Sketches, was auch zu interessanten visuellen Effekten geführt hat. Ich fügte "Linien" hinzu die den Punkten folgen sollten um den Strudel zu verdeutlichen. Tatsächlich sind die Linien aber eine From von Punkt zu Punkt. Sie verbinden 30% der Punkte auf den Stationen des jeweiligen Weges bis zu einer festgelegten Maximalen Station. Durch spielen mit der Weiterhin experimentierte ich mit Linien die von außen ins Zentrum bzw. zur Mauspositionen streben sollten um den räumlichen Effekt zu verstärken. Dies zahlte jedoch nicht auf meine Intention ein, da der Sketch so gänzlich anders wirkte und wurde wieder verworfen.

    Mitnahme:Neubeginn lohnt sich. Ein Sketch sollte nicht zu überladen werden. Interaktion abseits der Maus wäre wünschenswert. Außerdem ggf. nicht Farbwechsel und Bewegungsstart beides über die Maus steuern.

  3. 03

    Weg zum finalen Sketch

    Finale Version
    Finale Version
    Finale Version
    Finale Version
    Finale Version

    Absicht:Interaktivität erweitern und verbessern.

    Geschehen:Zunächst überlegte ich, wie ich den Sketch interaktiver gestalten kann. Da ein wiederkehrendes Motiv in Kusamas Kunst die weinenden Augen sind, entschied ich mich dazu dies zu übernehmen und gleichzeitig den Betrachter in den Sketch über Facetracking einzubinden. Ich experimentierte in einer weiteren Version auch damit, die Tränen nur beim Blinzeln des Betrachters fließen zu lassen, empfand den kontinuierlichen Tränenfluss jedoch eindrücklicher und geeigneter, um mit den Bewegungen der Tränen zu interagieren. Weiterhin setzte ich den Strudel-Effekt vom Mausklick auf die [w]-Taste, um dem Betrachter etwas mehr Kontrolle über den Sketch zu geben.

    Mitnahme:Es gab für mich mehrere Idee noch mit dem Sketch weiterzuarbeiten. Für mich war es dann wichtig zu erkennen, wann der Sketch für mich abgeschlossen ist.

Erkenntnis

Ein Neustart kann Vorteilhaft sein und Interkation ist wichtig, muss sich aber dem Ziel und Gesamterlebnis unterordnen.

Rahmendaten

Sketch
Final
Bausteine
Particle, Mouse Input, Keyboard Input, GUI Slider, ml5 Face Mesh
Übergabe an Interaction Design
Eye-Tracking reagiert auf blinzeln: Nur dann fließen die Tränen.